30.04.2026 - Fachartikel

Scrum in der Softwareentwicklung: agil und strukturiert

Geht es um agile Methoden der Softwareentwicklung, kommen Sie um einen Begriff nicht herum: Scrum. Was aber ist Scrum eigentlich und wie entfaltet es seine Stärken in der Softwareentwicklung? Welche Rollen und welche Aktivitäten gibt es in Scrum? Was sind Vorteile und Nachteile dieses agilen Rahmenwerks? All das erfahren Sie in diesem Artikel. Darüber hinaus geben wir einen Einblick in unser eigenes Scrum-Modell, das wir zur Entwicklung von BCS kontinuierlich weiterentwickelt haben. Dabei setzen wir BCS selbst als Scrum-Software ein – nicht nur zur Sprint-Planung, sondern auch zur Koordination von Anforderungen, Zuständigkeiten, Release-Zielen und Prozessen über mehrere Teams hinweg.

Key Takeaways: Scrum in der Softwareentwicklung

Scrum ist ein agiles Framework für die Entwicklung komplexer Produkte und basiert auf Transparenz, Überprüfung und Anpassung.

Ein Scrum Team besteht aus Product Owner, Scrum Master und Developers. Gemeinsam arbeiten sie in Sprints auf ein nutzbares Increment hin.

Scrum eignet sich besonders für komplexe Produktentwicklung, wenn Anforderungen nicht vollständig planbar sind und regelmäßiges Feedback wichtig ist.

Zu den wichtigsten Vorteilen zählen Transparenz, kurze Feedbackzyklen, bessere Zusammenarbeit und höhere Anpassungsfähigkeit.

Herausforderungen entstehen vor allem bei Skalierung, ungeplanter Arbeit, unklaren Prioritäten oder fehlenden Standards.

Bei Projektron nutzen wir Scrum seit 2009 und haben unser Modell kontinuierlich weiterentwickelt: heute mit fünf Scrum Teams, dreiwöchigen Sprints, rotierendem Zwischensprint, Domain Product Ownern und BCS als zentraler Scrum-Software.

Was ist Scrum eigentlich?

Scrum ist ein agiles Framework für die Entwicklung komplexer Produkte. Es setzt auf Transparenz, regelmäßige Überprüfung, Anpassung und die Selbstorganisation des Scrum Teams. Für die Anwendung gibt es den offiziellen Scrum Guide, der Rollen beziehungsweise Verantwortlichkeiten, Ereignisse und Artefakte beschreibt.

Obwohl viele Personen Scrum als agile Entwicklungsmethode bezeichnen, handelt es sich eigentlich nicht um eine Methode, sondern um ein „Framework“. Das Scrum Framework wird vor allem in der Produktentwicklung eingesetzt, kann aber auch in anderen komplexen Arbeitsumfeldern genutzt werden. Die Entwicklung wird nach Scrum in Iterationen organisiert, den Sprints. Die Sprints geben dem Team durch ihre gleichmäßige Länge einen Rhythmus.

Welche Rollen gibt es in Scrum?

Nach dem Scrum Guide besteht ein Scrum Team aus drei Verantwortlichkeiten

Product Owner ist dafür verantwortlich, den Wert des Produkts zu maximieren und das Product Backlog zu ordnen

Scrum Master unterstützt das Team dabei, Scrum wirksam anzuwenden, Hindernisse zu beseitigen und die Zusammenarbeit kontinuierlich zu verbessern

Developers setzen die Anforderungen um und erstellen in jedem Sprint ein nutzbares Increment

Bei Projektron haben wir diese Verantwortlichkeiten für unsere Multi-Team-Produktentwicklung erweitert. Heute arbeiten fünf Scrum Teams an BCS. Das Product Backlog Management wird durch mehrere Domain Product Owner unterstützt, die fachliche Produktbereiche verantworten und ihre Expertise aus der Organisation einbringen. Die Gesamtverantwortung für Produktstrategie, Priorisierung, Release-Ziele und zentrale Standards liegt beim Chief Product Owner.

Wichtig ist dabei: Die Domain Product Owner ersetzen den Chief Product Owner nicht. Sie übernehmen delegierte Verantwortung innerhalb definierter Leitplanken, zum Beispiel bei der Vorbereitung von Anforderungen, der fachlichen Priorisierung innerhalb ihrer Domäne und der Verwendung zugesagter Story-Point-Budgets pro Release.

Scrum Teams sollten klein genug sein, um handlungsfähig zu bleiben, und groß genug, um alle notwendigen Kompetenzen für die Produktentwicklung abzudecken. Zu große Teams erhöhen den Kommunikations- und Koordinationsaufwand. Bei Projektron war genau das ein Grund, die Entwicklung 2025 von drei auf fünf kleinere Scrum Teams aufzuteilen: Die Teams können sich dadurch leichter organisieren, Abstimmungen reduzieren und fokussierter an ihren Themen arbeiten.

Jede Person, die nach dem Framework nicht Mitglied des Scrum-Teams ist, aber ein Interesse an der Entwicklung des Produkts hat, wird als Stakeholder bezeichnet. Stakeholder nehmen am Scrum-Prozess in unterschiedlicher Weise Teil, sind aber nicht Teil des Scrum-Teams. Beispiele für Stakeholder sind Kunden, Benutzer oder das Management.

Welche Ereignisse gibt es in Scrum?

Es gibt wiederkehrende Aktivitäten, die als regelmäßige Termine angesetzt werden. Sie geben dem Team einen festen Rhythmus und schaffen Transparenz:

Der Sprint ist ein fest definiertes Zeitintervall von maximal einem Monat, in dem das Scrum Team an einem gemeinsamen Sprint-Ziel arbeitet. Bei Projektron arbeiten die Scrum Teams heute in dreiwöchigen Sprints. Früher waren unsere Sprints zwei Wochen lang; mit der Einführung des fünften Teams haben wir die Sprint-Dauer verlängert, um mehr Raum für zusammenhängende Entwicklungsarbeit, Abstimmung und Review-Zyklen zu schaffen.

Eine Besonderheit unseres Projektron-Scrums ist der rotierende Zwischensprint. Zu jedem Zeitpunkt übernimmt ein Team gebündelt operative und vorbereitende Aufgaben wie Support, Bugfixing, interne Verbesserungen und die Vorbereitung kommender Sprints. Die übrigen Teams können dadurch stabiler an ihren Sprint-Zielen arbeiten. Diese Rotation sorgt dafür, dass ungeplante Arbeit nicht alle Teams gleichzeitig unterbricht und die Verantwortung fair verteilt bleibt.

Jeder Sprint beginnt mit dem Sprint Planning. In diesem Termin klärt das Scrum Team, welches Sprint-Ziel erreicht werden soll und welche Product-Backlog-Einträge dafür ausgewählt werden. Die Developers besprechen außerdem, wie sie die Arbeit im Sprint umsetzen wollen.

Während des Sprints findet täglich der Daily Scrum statt. Dieses kurze Meeting dient dazu, den Fortschritt in Richtung Sprint-Ziel zu überprüfen, die nächsten Schritte abzustimmen und Hindernisse sichtbar zu machen.

Am Ende des Sprints findet das Sprint Review statt. Dort wird das entstandene Increment gemeinsam mit relevanten Stakeholdern betrachtet. Ziel ist nicht nur die Präsentation fertiger Arbeit, sondern auch Feedback, fachliche Einordnung und gegebenenfalls die Anpassung des Product Backlogs.

Anschließend folgt die Retrospektive. In ihr reflektiert das Scrum Team die Zusammenarbeit, die Prozesse und mögliche Verbesserungen für den nächsten Sprint. Während es im Sprint Review vor allem um das Produkt geht, steht in der Retrospektive die Arbeitsweise des Teams im Mittelpunkt.

Woher kommt der Name „Scrum“?

Der Name Scrum leitet sich von einem Spielzug im Rugby ab und kann mit „Gedränge“ übersetzt werden. Jeff Sutherland und Ken Schwaber übernahmen den Rugby-Approach aus der IT. Sie benannten ihr Anfang der 1990er-Jahre neu entwickeltes Rahmenwerk in Bezug auf die ursprüngliche Bezeichnung in Scrum um. Den Rugby-Approach hatten ursprünglich die beiden japanischen Wirtschaftswissenschaftler Hirotaka Takeuchi und Ikujiro Nonaka 1986 als Vorgehensweise im Lean Management definiert.

Welche Artefakte gibt es in Scrum?

Neben den Verantwortlichkeiten und Ereignissen gibt es in Scrum drei Artefakte, die Transparenz über Arbeit, Zielsetzung und Fortschritt schaffen:

Das Product Backlog ist die Gesamtliste aller User Storys, Anforderungen, Verbesserungen und Aufgaben, die für das Produkt realisiert werden sollen. Die Liste wird ständig weiterentwickelt und enthält nach Priorität geordnet alle Aufgaben, an denen das Scrum Team arbeiten wird.

Das Sprint Backlog enthält das Sprint-Ziel, die für den Sprint ausgewählten Product-Backlog-Einträge und den Plan der Developers zur Umsetzung.

Das Inkrement (englisch: Increment) ist ein potenziell auslieferbares Teilergebnis oder Produkt, das die Definition of Done erfüllt. Die Entscheidung darüber, ob das Inkrement ausgeliefert wird oder nicht, liegt im Ermessen des Product Owner.

Wie funktioniert die Qualitätssicherung in Scrum?

Basis für die Abnahme der User Storys am Ende des Sprints in der Demo ist die Definition of Done (DoD). Es müssen alle Punkte der Definition of Done erfüllt sein, damit eine User Story fertig ist, also vollständig und releasefähig implementiert. Zur Sprint Demo ist es nur erlaubt, fertige User Storys zu präsentieren.

Folgende Kriterien zur Sicherung der Qualität sind meist in der Definition of Done enthalten

Bei Projektron wurde die Qualitätssicherung im Laufe der Zeit deutlich stärker standardisiert. Früher wurden User Storys und Tickets nicht immer einheitlich bearbeitet, getestet oder abgenommen. Dadurch konnten Anforderungen über mehrere Releases hinweg verschoben werden, und nicht immer war klar, ob eine zugesagte Umsetzung tatsächlich rechtzeitig und vollständig abgeschlossen wurde. Heute sorgen klarere Standards, definierte Abnahmeprozesse, ein Nacharbeitenprozess sowie eine verbindlichere Release-Planung dafür, dass Anforderungen nachvollziehbarer durch den Entwicklungsprozess laufen.

Welche Vorteile bietet Scrum?

Stärken und Nutzen von Scrum
Hohe AnpassungsfähigkeitKurze Sprints und regelmäßige Abstimmungen ermöglichen es, schnell auf neue Anforderungen und Veränderungen zu reagieren. Feedback fließt kontinuierlich ein.
Fokus auf echten MehrwertTeams setzen gezielt die Anforderungen um, die den größten Nutzen bringen. Unnötige Funktionen werden vermieden und Ressourcen effizient eingesetzt.
Starke TeamzusammenarbeitKlare Rollen und regelmäßige Meetings fördern Kommunikation, Abstimmung und ein gemeinsames Verständnis von Zielen und Anforderungen.
Frühe ProblemerkennungDurch den kontinuierlichen Austausch werden Hindernisse und Risiken früh sichtbar und können schneller gelöst werden.
Transparenter EntwicklungsprozessBacklogs, Reviews und regelmäßige Abstimmungen schaffen jederzeit Klarheit über Fortschritt, Prioritäten und offene Aufgaben.
Bessere Steuerbarkeit von ProjektenEngpässe, Verzögerungen und Risiken werden früh erkannt, sodass gezielt gegengesteuert werden kann.
Mehr Vertrauen zwischen BeteiligtenDie hohe Transparenz stärkt das Vertrauen zwischen Team, Product Owner und Stakeholdern.
Scrum verbindet Flexibilität, Transparenz und Zusammenarbeit – und ermöglicht so eine effiziente und wertorientierte Softwareentwicklung.

Vorteile von Scrum

Das agile Scrum Framework in der Softwareentwicklung...

ist schnell einführbar dank schmalem Regelwerk.

lässt sich an den jeweiligen Kontext anpassen.

liefert schnell erste Ergebnisse bei unklaren Gesamtanforderungen.

begünstigt zügiges Reagieren auf kurzfristig geänderte Anforderungen.

erlaubt kurzfristigen Abbruch laufender Entwicklung.

schafft Transparenz darüber, woran Teams arbeiten und welche Prioritäten gelten.

fördert eine intensive Kommunikationskultur mit kurzen Wegen.

ermöglicht das Ausprobieren neuer Techniken bei relativ geringem Risiko (Abbruch nach einem Sprint ist möglich).

verursacht einen geringen Administrations- und Dokumentationsaufwand.

Welche Nachteile hat Scrum?

Herausforderungen und Risiken in Scrum
Begrenzter Sprint-ZeitrahmenEin endlicher Zeitrahmen kann dazu führen, dass nicht alle Aspekte eines Projekts ausreichend berücksichtigt werden. Während ein Sprint bestimmte Aufgaben abdeckt, können andere wichtige Anforderungen vernachlässigt werden.
Skalierungsprobleme bei mehreren TeamsScrum wurde ursprünglich für kleine Teams entwickelt. Mit wachsender Teamzahl steigen Abhängigkeiten, Abstimmungsaufwand und Anforderungen an gemeinsame Standards erheblich.
Abhängigkeit vom TeamScrum funktioniert nur, wenn das Team gut zusammenarbeitet. Ausfälle oder mangelnde Leistung einzelner Mitglieder können die gesamte Produktivität beeinträchtigen.
Konflikt zwischen Planung und ungeplanter ArbeitSupport-Anfragen, Bugs oder spontane Anforderungen können Sprint-Ziele stören oder dazu führen, dass wichtige operative Themen liegen bleiben.
Unvollständige DokumentationDer Fokus auf Entwicklung kann dazu führen, dass wichtige Informationen oder Entscheidungen nicht ausreichend dokumentiert werden.
Unklare oder unstrukturierte BacklogsFehlende oder schlecht priorisierte Anforderungen können zu Unsicherheit, Missverständnissen und ineffizienter Umsetzung führen.
Hoher Anspruch an Erfahrung und DisziplinScrum erfordert ein gutes Verständnis der Methodik. Ohne Erfahrung, klare Regeln und Schulung kann die Umsetzung schnell scheitern.
Scrum schafft viele Vorteile – entfaltet seine Wirkung aber nur dann vollständig, wenn Teams, Prozesse und Prioritäten klar strukturiert sind.

Nachteile von Scrum

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Rufen Sie sich daher folgende Schwächen vor Augen: Scrum in der Softwareentwicklung…

vernachlässigt mitunter nicht produkt- oder sprintspezifische Fragen allgemeiner Art zu Architektur, Benutzeroberfläche (GUI), Performance und Systemumgebung.

kann Entwicklungsteams schnell mal von den allgemeinen Firmenzielen und -problemen entkoppeln. Obwohl das Ziel nach agilen Prinzipiel variabel ist, ist es wichtig, dass das Ergebnis dennoch auf die Unternehmensziele einzahlt.

birgt die Gefahr, dass Risiken in der Planung erst während der schon begonnenen Realisierung festgestellt werden.

erfordert ein hohes Maß kommunikativer und weiterer Soft-Skills wegen des hohen Kommunikations- und Abstimmungsaufwands.

verlangt Entwicklern hohes Engagement und Eigeninitiative ab, da es nur wenige konkrete Handlungsempfehlungen erteilt und Hierarchien fehlen.

Struktur ermöglicht Agilität: Darum nutzen wir bei Projektron Scrum

Wir fassten den Entschluss, Scrum einzuführen, um die Zufriedenheit in der Entwicklung zu erhöhen und unsere Produktentwicklung verlässlicher zu strukturieren. Im Dezember 2009 etablierten wir Scrum in der Softwareentwicklung bei Projektron. Im Gegensatz zu vielen Unternehmen, die Scrum vor allem einführen, um agiler zu werden, stand bei uns von Anfang an ein anderer Aspekt im Vordergrund: Wir wollten strukturierter, planbarer und transparenter arbeiten.

Die Notwendigkeit dazu ergab sich aus der zuvor herrschenden unstrukturierten Vorgehensweise: Die Kundenbetreuer ersuchten Entwickler ihrer Wahl wann immer es ihnen beliebte und baten sie, Anforderungen ihrer Kunden und Supporttickets schnell umzusetzen. Vertriebsmitarbeiter versprachen im Kundengespräch vor Ort Anpassungen an der Software, die Entwickler nun schnell ins nächste Release bringen mussten. Kundenbeschwerden wurden überhastet in Anpassungswünsche übersetzt.

Auf diese Weise war oft nicht klar,

  • was das nächste Release enthalten sollte,
  • ob kurzfristig noch weitere Umsetzungswünsche eintrudelten,
  • wie lange es noch dauern würde, bis das Release erfolgen konnte,
  • welche weiteren Anforderungen (außer der des konkreten Kunden) die Erweiterung auch zu erfüllen hat und
  • wie die Anpassung oder Erweiterung getestet werden soll

Es existierte zum Zeitpunkt der Einführung von Scrum noch kein Prozess, der sicher gestellt hätte, dass sämtliche neue Softwareerweiterungen in die Dokumentation aufgenommen werden und der Kunde davon erfährt.

Auch später, als wir bereits mit drei Scrum-Teams arbeiteten, zeigte sich: Scrum allein löst nicht automatisch alle Strukturprobleme. Bis einschließlich 2024 gab es weiterhin Bereiche, in denen unsere Prozesse zu wenig verbindlich waren. Domain Product Owner waren nicht immer ausreichend eingearbeitet, dokumentierte Standards fehlten teilweise, und User Storys oder Tickets wurden nicht durchgängig einheitlich bearbeitet, getestet und abgenommen.

Dadurch entstanden wiederkehrende Probleme in der Release-Planung:

  • Zugesagte Umsetzungen konnten nicht immer zuverlässig eingehalten werden.
  • Releases erschienen teilweise später als geplant .
  • der inhaltliche Zuschnitt einzelner Releases war nicht immer rund.
  • Anforderungen wurden von Release zu Release verschoben, teilweise über längere Zeiträume.
  • Domain Product Owner wussten nicht immer, wann ihre User Storys umgesetzt würden.
  • Manche Tickets wurden geschätzt, aber anschließend nicht konsequent weiterverfolgt.
  • Andere Anforderungen wurden formuliert, aber nicht umgesetzt, sodass Aufwand entstand, ohne dass daraus zuverlässig Produktwert wurde.

Diese Erfahrungen waren ein wesentlicher Auslöser für die Weiterentwicklung unseres heutigen Scrum-Modells. Der Grundgedanke, strukturierter, planbarer und transparenter arbeiten zu wollen, prägt unser Scrum-Modell bis heute. Mit wachsendem Produktumfang, steigender Kundenzahl und inzwischen fünf Scrum-Teams wurde Scrum bei Projektron kontinuierlich weiterentwickelt. Ziel war dabei nie, Scrum zu ersetzen, sondern seine Prinzipien so anzuwenden, dass sie zu unserer Produktentwicklung, unserer Release-Planung und unserer Organisation passen. Wir brauchten klarere Standards, verbindlichere Prozesse, eine bessere Release-Steuerung und mehr Transparenz darüber, wann welche Anforderungen umgesetzt werden.

Die wichtigsten Ziele lauteten damals 2009 und gelten in weiterentwickelter Form bis heute

Agile Softwareentwicklung nach Scrum: Beispiel Projektron

Heute arbeiten bei Projektron fünf Scrum-Teams an der Weiterentwicklung von BCS. Diese Struktur wurde 2025 eingeführt, nachdem wir zuvor mit drei Teams gearbeitet hatten. Ziel der Aufteilung war es, kleinere Teams zu schaffen, die sich leichter selbst organisieren, Abstimmungen reduzieren und fokussierter an ihren Themen arbeiten können.

Jedes Team besteht aus ca. sechs Personen und arbeitet in dreiwöchigen Sprints. Mit der Einführung des fünften Teams wurde die Sprint-Dauer bewusst von zwei auf drei Wochen verlängert. Die längeren Sprints geben den Teams mehr Raum für zusammenhängende Entwicklungsarbeit, Abstimmung und Review. Gleichzeitig reduzieren sie den relativen Aufwand, der durch häufige Sprintwechsel entsteht. Zudem sorgen die längeren Sprints für eine bessere Qualitätssicherungsphase innerhalb des Sprints, wenn weitere Testkapazitäten verfügbar sind.

Die Teams arbeiten weiterhin zeitlich versetzt. Dadurch entstehen weniger Lastspitzen bei Sprint Planning, Sprint Review, Abstimmungen und weiteren gemeinsamen Terminen. Wichtige Rollen wie Scrum Master, Domain Product Owner und der Chief Product Owner können so besser über mehrere Teams hinweg eingebunden werden.

Eine Besonderheit unseres Modells ist der rotierende Zwischensprint. Zu jedem Zeitpunkt übernimmt ein Team gebündelt operative und vorbereitende Aufgaben wie Support, Bugfixing, interne Verbesserungen und die Vorbereitung kommender Sprints. Die übrigen Teams können dadurch stabiler an ihren Sprint-Zielen arbeiten. Die Rotation sorgt dafür, dass diese Verantwortung fair verteilt bleibt.

Zusätzlich gibt es ein spezialisiertes Team mit eigenem Sprint-Modell. Dieses Spezialteam bearbeitet besonders große, komplexe und zusammenhängende Themen, die sich nicht sinnvoll in kleine User Storys aufteilen lassen. Während reguläre Sprints typischerweise kleinere Anforderungen bündeln, kann das Spezialteam über mehrere Wochen hinweg einen größeren thematischen Schwerpunkt verfolgen. So bleibt der fachliche und technische Zusammenhang erhalten.

Das Spezialthemen-Team rotiert regelmäßig mit den übrigen Teams. Nach etwa zehn Wochen wechselt Team E mit Team A, anschließend später mit Team B und danach fortlaufend mit den weiteren Teams. Dadurch wird sichergestellt, dass Wissen, Verantwortung und Spezialthemen nicht dauerhaft auf ein einzelnes Team konzentriert bleiben.

Im Vergleich zu 2024 konnten wir durch die Umstellungen und Erweiterungen unseres Scrum-Modells die umgesetzten Story Points um stolze 100 Prozent steigern. Für uns ist das kein alleiniger Erfolgsindikator, aber ein Hinweis darauf, dass kleinere Teams, längere Sprints, klarere Standards und weniger Kontextwechsel die Lieferfähigkeit verbessert haben.

Unterstützt werden die Teams durch fünf Scrum Master sowie drei Vertretungen. Die Scrum Master sind nicht ausschließlich fest einzelnen Teams zugeordnet, sondern arbeiten mit einer teamübergreifenden Perspektive. Dadurch können sie nicht nur einzelne Teams begleiten, sondern auch Muster, Hindernisse und Verbesserungsmöglichkeiten über Teamgrenzen hinweg erkennen.

Das Product Backlog Management wird durch über 20 Domain Product Owner unterstützt. Sie verantworten fachliche Produktbereiche und bringen ihre Expertise aus der Organisation direkt in die Produktentwicklung ein. Die Gesamtverantwortung für Produktstrategie, Priorisierung, Release-Ziele, Budgets und zentrale Standards liegt beim Chief Product Owner.

Alle Beteiligten sind zertifizierte Scrum Master oder Scrum Product Owner und sind außerdem nach PRINCE2, PMI und/oder IPMA zertifiziert.

Scrum in der Praxis erleben – mit BCS

Sehen Sie live, wie sich Scrum in der Softwareentwicklung strukturiert umsetzen lässt: von Sprint-Planung über Backlog-Management bis zur teamübergreifenden Koordination. In einer individuellen Online-Präsentation zeigen wir Ihnen, wie BCS Transparenz schafft und komplexe Produktentwicklung steuerbar macht. Anschließend können Sie das System mit Demo-Daten selbst testen.

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Customized: Das unterscheidet Scrum bei Projektron vom Standard-Scrum

Seit der Einführung von Scrum im Dezember 2009 haben wir unser Vorgehen kontinuierlich weiterentwickelt. Projektron Scrum ist heute kein einmalig eingeführter Prozess mehr, sondern ein gewachsenes Modell für die Produktentwicklung mit mehreren Teams. Dabei übernehmen wir Scrum nicht nach einer starren Schablone, sondern passen seine Anwendung dort an, wo unser Produkt, unsere Organisation und unsere Release-Struktur zusätzliche Klarheit erfordern.

Wichtige Anpassungen unseres heutigen Scrum-Modells sind:

Scrum-AnpassungZiel & Wirkung
Fünf kleinere Scrum-Teams2025 wurde die Entwicklung von drei auf fünf Teams aufgeteilt, um Selbstorganisation, Abstimmung und Fokus innerhalb der Teams zu verbessern.
Dreiwöchige SprintsDie Sprint-Dauer wurde verlängert, um mehr Raum für zusammenhängende Entwicklungsarbeit, Abstimmung und Review-Zyklen zu schaffen.
Rotierender ZwischensprintEin Team übernimmt operative Aufgaben wie Support und Bugfixing, sodass die anderen Teams stabil an ihren Sprint-Zielen arbeiten können.
Spezialisiertes TeamGroße und komplexe Themen werden gebündelt bearbeitet, ohne sie künstlich in kleine User Storys aufteilen zu müssen.
Domain Product OwnerFachliche Produktbereiche werden durch spezialisierte Product Owner verantwortet, die ihre Expertise direkt einbringen.
Story-Point-Budgets pro ReleaseDomain Product Owner erhalten feste Budgets pro Release und können ihre Themen innerhalb klarer Leitplanken priorisieren.
Chief Product OwnerZentrale Koordination von Produktstrategie, Release-Zielen, Budgets und Standards über alle Teams hinweg.
BPMN-basierter DPO-ProzessEin klar dokumentierter Prozess definiert Abläufe, Entscheidungen und Verantwortlichkeiten in der Produktentwicklung.
Klare Standards für User StorysAnforderungen werden einheitlich vorbereitet, umgesetzt, getestet und abgenommen, was die Verlässlichkeit erhöht.
BCS als Scrum-SoftwareAnforderungen, Budgets, Prozesse und Fortschritte werden zentral abgebildet und transparent gemacht.
Teamübergreifende Scrum MasterScrum Master arbeiten mit systemweiter Perspektive und unterstützen Teams übergreifend bei Hindernissen und Verbesserungen.

Diese Anpassungen bedeuten nicht, dass wir Scrum ersetzen. Sie schaffen vielmehr Rahmenbedingungen, unter denen Scrum-Prinzipien wie Transparenz, Fokus, Überprüfung und Anpassung auch in einer Produktentwicklung mit mehreren Teams wirksam bleiben. 

Nicht jede unserer früheren Anpassungen hat sich dauerhaft bewährt. Einige frühere Experimente haben wir wieder abgeschafft, weil sie für unsere Anforderungen nicht praxistauglich genug waren. Diese regelmäßige Überprüfung gehört für uns zum Scrum-Verständnis: Auch der eigene Prozess muss inspiziert und angepasst werden. Unser Vorgehen basiert weiterhin auf empirischer Steuerung: Wir machen Arbeit, Fortschritt und Probleme transparent, überprüfen regelmäßig, ob unsere Prozesse wirksam sind, und passen sie an, wenn sie nicht mehr zu unserem Kontext passen.

Herausforderungen unseres Scrum-Modells

Unser Scrum-Modell schafft mehr Struktur, bringt aber auch zusätzliche Anforderungen mit sich. Insbesondere in einem Multi-Team-Setup müssen unterschiedliche Arbeitsmodi aktiv zusammengeführt werden: reguläre Feature-Teams, rotierender Zwischensprint, spezialisiertes Team sowie mehrere Domain Product Owner folgen nicht alle denselben Routinen.

Ein zentraler Trade-off besteht in der Balance zwischen Autonomie und Gesamtsteuerung. Domain Product Owner benötigen ausreichend Entscheidungsspielraum, um ihre fachliche Expertise wirksam einzubringen. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass ihre Prioritäten zur übergreifenden Produktstrategie, zu Release-Zielen und zu verfügbaren Kapazitäten passen.

Auch die Prozessdisziplin wird wichtiger. Klare Standards, ein definierter DPO-Prozess sowie verbindliche Regeln für User Storys, Abnahmen und Nacharbeiten schaffen Verlässlichkeit, müssen aber regelmäßig überprüft werden, um nicht zu unnötiger Bürokratie zu führen.

Die zusätzliche Komplexität verschwindet nicht, sondern sie wird bewusst sichtbar gemacht und gesteuert. BCS unterstützt uns dabei, Anforderungen, Budgets, Zuständigkeiten und Prozesse transparent abzubilden und so die Koordination beherrschbar zu halten.

Wann eignet sich unser Scrum-Modell?

Unser Ansatz ist besonders geeignet für Organisationen, in denen mehrere Teams an einem gemeinsamen, fachlich breiten Produkt arbeiten und sowohl geplante Produktentwicklung als auch ungeplante operative Arbeit kontinuierlich bewältigt werden müssen.

Projektron-Scrum ist passend, wenn...

mehrere Teams am selben Produkt arbeiten

viele fachliche Domänen berücksichtigt werden müssen

Anforderungen aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen entstehen

Release-Planung und verbindliche Liefertermine wichtig sind

operative Arbeit wie Support oder Bugfixing nicht vollständig planbar ist

teamübergreifende Standards und Koordination erforderlich sind

Weniger geeignet ist dieses Modell für kleinere Organisationen oder Produkte mit geringer Komplexität. Wenn ein einzelnes Scrum Team mit einem Product Owner ausreicht, würde unser Ansatz unnötige Struktur und Koordinationsaufwand erzeugen.

Wie bei Scrum generell gilt: Der Kontext entscheidet.

Eine der wichtigsten Anpassungen hatte auch direkte Auswirkungen auf die Funktionalitäten unserer Software. Zu Beginn visualisierten wir den Stand eines Sprints noch analog. Schon nach kurzer Zeit wurde deutlich: Wenn Scrum bei Projektron wirksam funktionieren soll, muss die Koordination in BCS abgebildet werden.

Heute unterstützt BCS nicht nur den Daily Scrum mit Aufgabenübersichten, Sprint-Status, Sprint-Fortschritt, Burndown Charts und Cumulative-Flow-Diagrammen. BCS dient auch als zentrale Scrum Software für unsere teamübergreifende Scrum-Koordination.

In BCS werden Anforderungen, User Storys, Tickets, Zuständigkeiten, Budgets, Prozesse, Release-Ziele und Fortschritte sichtbar gemacht. Dadurch lässt sich nachvollziehen, welche Anforderungen geplant, geschätzt, priorisiert, umgesetzt, getestet und abgenommen werden. Gerade im Zusammenspiel von Scrum-Teams, Domain Product Ownern und Chief Product Owner schafft diese Transparenz Verlässlichkeit.

Ein wichtiger Bestandteil ist die Abbildung unserer Standards und Prozesse. Der DPO-Prozess ist in BPMN modelliert und beschreibt, wann welche Schritte notwendig sind, welche Entscheidungen getroffen werden müssen und welche Beteiligten einzubinden sind. Einzelne Prozessschritte wurden inzwischen automatisiert.

So entsteht eine besondere Rückkopplung: Wir nutzen BCS zur Koordination unserer eigenen Produktentwicklung. Gleichzeitig fließen die Erfahrungen aus unserer Scrum-Praxis wieder in die Weiterentwicklung von BCS ein. Unsere Software wird dadurch nicht nur für Scrum genutzt, sondern entwickelt sich mit unserem Scrum-Modell weiter.

Mit Scrum agil und strukturiert in die Zukunft: Ausblick

Insgesamt erweist sich Scrum in unserer Softwareentwicklung als flexibles und wirksames Framework, um ein hochwertiges Softwareprodukt wie BCS kontinuierlich weiterzuentwickeln. Für uns liegt der größte Nutzen jedoch nicht allein in Agilität, sondern in der Verbindung von Anpassungsfähigkeit und Struktur.

Heute liegt unser Fokus nicht mehr darauf, Scrum einfach auf weitere Teams auszuweiten. Stattdessen entwickeln wir unser Scrum-Modell gezielt weiter: mit klareren Standards, verbindlicherer Release-Planung, besserer Unterstützung der Domain Product Owner und einer stärkeren Abbildung unserer Prozesse in BCS.

Aktuelle Schwerpunkte sind:

die weitere Verbesserung des BPMN-basierten DPO-Prozesses

die Automatisierung geeigneter Prozessschritte

die bessere Abbildung von Story-Point-Budgets pro Release

die Weiterentwicklung der Scrum-Funktionen in BCS

mehr Transparenz über Anforderungen, Zuständigkeiten, Abnahmen und Nacharbeiten

die kontinuierliche Prüfung, ob unsere Scrum-Anpassungen weiterhin zu Produkt, Organisation und Kundenanforderungen passen

Unsere eigene Arbeitsweise wirkt damit direkt auf unser Produkt zurück. Was wir in der skalierten Scrum-Praxis benötigen, fließt in die Weiterentwicklung von BCS ein. So entwickeln sich Produkt und Vorgehensweise gemeinsam weiter.

FAQ: Scrum

Was ist Scrum?

Ein agiles Framework zur Entwicklung komplexer Produkte mit kurzen Iterationen, Feedback und kontinuierlicher Verbesserung.

Methode oder Framework?

Scrum ist ein Framework mit klarer Struktur und bewusstem Gestaltungsspielraum.

Welche Rollen gibt es?

Product Owner, Scrum Master und Developers bilden gemeinsam das Scrum Team.

Was ist ein Sprint?

Ein festes Zeitintervall, in dem ein nutzbares Produktinkrement entsteht.

Welche Ereignisse gibt es?

Sprint, Planning, Daily Scrum, Review und Retrospektive strukturieren die Zusammenarbeit.

Was ist das Product Backlog?

Eine priorisierte Liste aller Anforderungen und Aufgaben für die Produktentwicklung.

Was ist ein Increment?

Das Ergebnis eines Sprints, das potenziell auslieferbar ist.

Was ist die Definition of Done?

Sie definiert, wann Arbeit vollständig und qualitativ abgeschlossen ist.

Welche Vorteile hat Scrum?

Transparenz, Anpassungsfähigkeit und bessere Zusammenarbeit im Team.

Welche Herausforderungen gibt es?

Scrum erfordert klare Prioritäten, Disziplin und gute Kommunikation.

Wann eignet sich Scrum?

für komplexe Produktentwicklung, bei der Anforderungen sich verändern und nicht vollständig planbar sind. Wenn regelmäßiges Feedback, iterative Umsetzung und enge Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und Entwicklung notwendig sind.

Warum wird Scrum so oft genutzt?

Weil es Struktur und Flexibilität kombiniert und Teams produktiver macht.

Über den Autor

Lucas Artaza ist Chief Product Owner (CPO) bei Projektron. Er verantwortet die strategische Ausrichtung und Priorisierung über mehrere Entwicklungsteams hinweg für BCS (Business Coordination Software). Sein Fokus liegt darauf, langfristige Produktstrategie mit den Anforderungen des operativen Entwicklungsalltags in einem skalierten Scrum-Umfeld zu verbinden. Dazu gehören die Weiterentwicklung des Product-Ownership-Modells, die Definition von Release-Zielen, Budgetvergabe, Prozessstandards, DPO-Strukturen und die kontinuierliche Anpassung von Scrum an den Projektron-Kontext. Dabei hat er maßgeblich an der Weiterentwicklung von Scrum über seine klassische Anwendung hinaus gearbeitet.

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